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Orientbetrüger der Frühen Neuzeit

Nutzung des europäischen Morgenlandbildes durch Abenteurer 1650 bis 1800

I. Zur Genesis dieser Arbeit

Im Zuge der Erstellung einer wissenschaftlichen Hausarbeit mit dem Thema "Olivenprinzen im Deutschland der Frühen Neuzeit. Zwischen Morgenlandfaszination und religiöser Solidarität - Zum Finanzierungstourismus maronitischer Libanesen 1750-1800" [1] wurden vom Verfasser Recherchen durchgeführt, die sich auf die Erfassung schon erschienener literarischer Quellen zum Thema konzentrierte.

Dabei mußte auch eine recht großer Randbereich eventuell interessant klingender Titel zu allen möglichen als "Orientalen" auftretenden Zeitgenossen des Ancien Regime eingesehen werden, die sich jedoch sämtlich als nicht zum Thema zugehörig erwiesen.

Wie die Quellenanalysen ergaben, handelte es sich in keinem Fall um maronitische temporäre Vagabunden, die später wieder in ihre Heimat zurückkehrten, sondern um Kleinkriminelle, die in betrügerischer Absicht und unter Vorgabe falscher Behauptungen gehandelt und sich bei ihren Mitmenschen finanzielle oder materielle Vorteile erschlichen hatten. Für eine Verwertung zum Thema Olivenprinzen waren diese Quellen also gänzlich ungeeignet.

Da jedoch diese Quellensammlung, nun schon einmal zusammengesucht, nicht ungenutzt bleiben sollte, entstanden hierzu die Fragestellungen, die im folgenden Abschnitt dargelegt werden. [2] Hinzu kam, daß außerdem zum kombinierten Themenkomplex a) der Armut, b) der Kriminalität  und c) des europäischen Orientbildes keine direkte Forschungsliteratur ermittelt werden konnte, sich "Orientbetrüger" aber eben aus diesen drei Schnittmengen rekrutierten. [3]

II. Einleitung und Fragestellungen

Am 16.November 1763 erschien ein orientalisch aussehender vornehmer Mann, kostümiert "mit aller morgenländischer Pracht" bei dem Königlich Preusssichen Staatsminister Graf Finck v.Finckenstein und behauptete, er heiße "Resmi Ahmed Efendi". Er überreichte dem Minister ein angebliches "Beglaubigungsschreiben" für seine Identität, das vom osmanischen Sultan stammen sollte. In diesem Brief wurde er als "Rath von unserm kaiserlichen Divan, Obereinnehmer der Einkünfte von Asien, und noch mehr erhaben durch die Bedienung unseres Tevky oder Nichangi" bezeichnet. Sein Wunsch: Er wollte eine Audienz bei König Friedrich dem Großen. Sie wurde ihm am 21.November 1761 gewährt. [4]

War dieser Mann nur ein Betrüger, der sich königliche Aufmerksamkeit erschleichen wollte? Manche Zeitgenossen vermuteten dies, denn 1785 beklagte sich ein gelehrter Zeitgenosse des Barock: "Deutschland wird itzt von einer Menge herumreisender Menschen ... heimgesucht, die sich für etwas anders ausgeben, als sie sind, ganze Romane zusammenlügen, und rechtschaffene Menschen um Geld und Glauben und Zeit betrügen." [5]

Zu diesen "zusammengelogenen Romanen" gehörte vielfach auch die Aura der Märchensammlung aus 1001 Nacht, die sich zu allen Zeiten seit dem 18.Jahrhundert in Europa einiger Beliebtheit erfreut hat und noch erfreut.  Nicht nur im Zuge des modernen "Re-enactments" des 21.Jahrhunderts las eine verkleidete Schauspielerin in der Rolle der Scheherazade erst kürzlich wieder bei einem "Mittelalterlich Spectaculum" der Firma "Mittelalterliche Veranstaltungen Gisbert Hiller" aus Drensteinfurt im Mai 2002 diese doch erst 1704 in Europa gedruckt erschienenen Märchen im holsteinischen Hohenwestedt vor, [6] auch in der Frühen Neuzeit ist diese Poetik in der Form des aktiv genutztzen europäischen Orientbildes eine der Grundlagen für "orientalische" Betrüger des 18.Jahrhunderts gewesen.

Dabei handelte es sich um Männer, die ihre Mitmenschen meist um Geld, gelegentlich auch um Naturalien oder Sachleistungen prellten, was sie allein mit einer erfundenen "orientalischen" Idendität hervorriefen.
Wer waren diese Menschen, die die Wirkungen des europäischen Orientbildes bei den Menschen der Aufklärung kannten und aktiv zu ihrem eigenen Vorteil bedienten? Wie nutzten Betrüger morgenländische Denkmuster der europäischen Bevölkerung in der Frühen Neuzeit aus, um zum Erfolg zu kommen? Welche Ziele verfolgten Betrüger, die sich als Orientalen ausgaben? Welche Ziele erreichten sie? Wie traten sie in Europa auf? Und was führte schließlich zu ihrer Enttarnung?

Zugleich ist die vorliegende Arbeit in ihren Fragestellungen beschränkt. Da Betrüger nur gelegentlich aufgedeckt, aber auch unentdeckt ihr Unwesen auf Kosten der Allgemeinheit oder auf Kosten Einzelner trieben, lassen sich leider keine Antworten auf statistische Fragen finden. So muß unerörtert bleiben, wann, wo und wieviele "orientalische" Betrugsfälle es in Europa oder im Deutschen Reich gab und ob "orientalische" Betrüger besonders häufig in der Zeit der Aufklärung vorkamen oder entdeckt wurden. Auch Aussagen über die soziale Herkunft, die wahre Idendität und den Lebenslauf dieser Männer lassen sich an dieser Stelle und durch die herangezogenen Quellen bedauerlicherweise nicht klären.

Es kann an dieser Stelle daher nur darum gehen, einige Beispiele darzustellen und den Versuch zu unternehmen, diese in eine Art Systematik einzuarbeiten, um allgemein "orientalische" Betrugsfälle zu kategorisieren, Gemeinsamkeiten und Unterschiede festzustellen.

Nach einer Vorstellung zeitgenössischer Sichtweisen des 18.Jahrhunderts auf die Begriffe "Betrug" und Betrüger" (Kapitel III.) sollen zur Konkretisierung der Systematik fünf Fälle aus den Jahren 1669 bis 1797 analytisch dargestellt werden (Kapitel IV.). Dabei geht es jeweils um einen Vergleich vier verschiedener in jedem Fall feststellbarer Untersuchungsmodule, nämlich erstens der Idenditätswahl und Intentionen (Kapitel IV.1), zweitens des äußeren Auftretens (Kapitel IV.2), drittens der erlangten Vergünstigungen (Kapitel IV.3) und schließlich viertens der Art und Weise der Aufdeckung von Betrügern (Kapitel IV.4). In einem abschließenden Abschnitt wird dann eine Abgrenzung "orientalischer" Betrüger zu anderen orientalisch auftretenden Reisenden mit materiellen Absichten und eine Einordnung in die Kulturgeschichte von Betrug und Täuschung versucht (Kapitel V.).

III. Zur Definition von "Betrug" und "Betrüger"

Betrug, Fälschung und Täuschung sind unabhängig vom europäischen Orientbild als kulturgeschichtliches Phänomen so alt wie die Menschheit selbst und kommen noch heute täglich und in den unterschiedlichsten Facetten vor. Im Betrachtungszeitraum des 18.Jahrhunderts definierte die gelehrte Gesellschaft hierzu im Jahre 1733: "Betrug ist diejenige Handlung, da wir einen durch die falsche Vorstellung einer Sache darzu veranlassen, welches er, wenn er die rechte Beschaffenheit gewust [sic!], nicht würde unternommen haben. Gleichwie die Lateiner zwey Wörter, dolum und fraudem, haben, welche aber durch den Gebrauch verwechselt werden; also finden wir bey den Teutschen gleichfalls Betrug und List. Man kan [sic!] gar füglich diejenigen falschen Vorstellungen, wodurch der andere Schaden empfängt, Betrug; die andern aber, welche zu einem guten Endzwecke vorgenommen werden, List nennen. Doch ist nicht zu leugnen, daß Betrug überhaupt alle falschen Vorstellungen anzeiget". [7]

Betrachtet man sich nach dieser kurzen zeitgenössischen Abgrenzung des kulturgeschichtlichen Betrugsbegriffes aus dem Untersuchungszeitraum die beteiligten Faktoren an einem Betrug, so können als Grundmerkmale desselben a) die Konsensfähigkeit bestimmter allgemeiner Annahmen und damit b) zugleich die Verflechtung mit einem Sozialwesen festgestellt werden. Denn die Vorspiegelung "falscher Tatsachen" ist immer an die Regeln und Gewohnheiten eines Gemeinwesens gebunden, welches gleiche Normen in bestimmten Bereichen kennt. Sie können nie abgekoppelt oder getrennt von diesen betrachtet werden.

Bei jedem Betrug sind ferner c) grundsätzlich Betrüger und d) Betrogene beteiligt. Um einen Betrug wirkungsvoll zu gestalten, muß sich der Betrüger in den Handlungsspielräumen und Gewohnheiten der Gesellschaft bewegen, denen der zu Betrügende angehört. Diese Gewohnheiten werden als Hintergrundfolie vom Betrüger benutzt, um seine Geschichte - als Mittel zum Zweck der Vorteilserlangung - glaubhaft erscheinen zu lassen. Auf geschickte Weise werden wahre Begebenheiten und Grundannahmen mit falschen Behauptungen gemischt. Das stets raffinierter werdende Auftreten von Betrügern zu unterschiedlichen Zeiten und die immer wieder neue Mischung von Erfundemem und Wahrem läßt auf eine Verfeinerung der Mittel im Laufe der Zeit schließen.

Vor diesem Hintergrund agierten auch die "Orientbetrüger" der Frühen Neuzeit in Deutschland. Sie waren aber nicht nur gewöhnliche Betrüger, sondern benutzen ausnahmslos die Faszination "des Fremden", um zu ihren Zielen zu gelangen. Der aufgeklärten Gesellschaft des 18.Jahhrunderts waren die Mittel, die zu diesen Zielen führten, durchaus in ihren Einzelfaktoren bekannt.

Viele Gesellschaften und Zeiten besaßen Warnsysteme, mit denen sie versuchten, potentielle Betrugsabsichten offenzulegen und dadurch ihre Mitmenschen vor Betrügern zu warnen. Zum Ende des 20.Jahrunderts erfolgte dies beispielsweise durch die Beratungen der Kriminalpolizei in Wort, Bild und Schrift, aber auch durch die Fernsehsendung "Nepper, Schlepper, Bauernfänger" mit Eduard Zimmermann.

Zum Ende des 18.Jahrhunderts hingegen nahm sich in Deutschland unter anderem der Literat Georg Paul Hönn dieser Aufgabe durch die Publikation eines Betrugslexikons an. Er beschrieb bereits 1724 systematisch Betrügereien "in allen Ständen". Dieses Werk ist insofern für die hier zugrundeliegende Fragestellung von Belang, als es sich indirekt mit der Definition des "Orientbetrügers" befaßt. Der "Orientbetrüger" an sich war zwar Hönn noch unbekannt; dennoch kommt er versteckt bei ihm vor. Da das Werk nach "Berufen" gegliedert wurde, erfordert die Definition des "Orientbetrügers" eine kombinierte Sichtweise auf drei der dort erwähnte "Berufe", als deren Schnittmenge sich der speziell hier untersuchte Betrügertyp ergab. Hierbei handelte es sich a) um Arme und Bettler, b) um sogenannte "Beutelschneider" oder "Spitzbuben" und c) um Reisende.

Hönn schrieb zur ersten Gruppe unter anderem: "Bettlere betriegen, "... 8) wenn sie durch ihre Bettelmännische Beredtsamkeit simulieren und dissimuliren, und sich zum Exempel auf einem Edel-Hofe vor arme vertriebne von Adel, auf einem Pfarrhofe vor arme vertriebne Priester, / vor Conversos [8] u.s.f. ausgeben, wie davon das Exempel des allhie in coburgischem Zuchthause vor einigen Jahren gefangen gesessenen sich so nennenden Barons von Friesen, der nach der Zeit in Wien und Dresden dergleichen Falsa aufs neue begangen haben solle, bekannt ist und ... 17) wenn sie sich vor abgedanckte Officires ausgeben, und mit falschen Abschieden, Briefen und Pässen versehen." [9]

Für die zweite Gruppe konstatierte Hönn: "Beutelschneider oder Spitzbuben betriegen, "...2) Wenn sie als Cavalliers bekleidet in einen Gasthoff kommen, unter dem Vorwand, daß sie sich an dem Ort eine Zeitlang aufhalten müssen. Auch den Wirth, um sich bey demselben in desto bessern Credit zu setzen, einen oder zwey Monate mit dem besten Gelde voraus bezahlen, darauf aber, nachdem sie mit demselben familiar worden, über das lange ausbleiben ihrer (doch nicht zu hoffenden) Wechsel klagen, und, daß der Wirth ihnen interims weise mit einer Summa ausgeblichen Geldes gegen Verpfändung ihrer bey sich habenden Sachen, aushelfen möge, ansuchen, nach Empfang des Gelds aber ihre Sachen heimlich aus dem Hause practiciren, und davon gehen". [10]

Zur dritten Gruppe vermerkte Hönn schließlich: "Reisende betriegen 1) ... wenn sie sich auf denen Reisen einen falschen Nahmen zulegen, oder aus einem andern Lande und Stadt, als sie sind / nennen ... 5) Wenn sie sich vor vornehme Passagiers ausgeben / und im ausgehen vorwenden, sie müsten [sic!] bei diesem oder jenem Herrn an dem Ort ihre Visite machen, unterdessen aber ohne die gemachte Zeche zu bezahlen, auf- und davon gehen ... 13) Wenn sie vor andern, unter dem Vorwand, sie hätten kein klein Geld, vor sich auslegen lassen, oder sonst von ihnen etwas erborgen, und hernach die beschehene Auslagen oder das geborgte Geld nicht wiederum ehrlich bezahlen." [11]

Mit der Kombination aller drei Gruppen entstand so unter anderem der "Orientbetrüger". Was bei Hönn indes nur anklang - die Vortäuschung falscher (orientalischer) Idenditäten, soll im folgenden Abschnitt näher erläutert werden.

IV. Fünf "orientalische" Betrugsfälle

Hönns drei Definitionen bezeichnen in dieser Kombination bereits alle Faktoren, denen sich orientalische Betrüger bedienten. Dies spricht für eine raffinierte und ausgeklügelte Vorbereitung und Ausführung. Konkretisiert werden soll dies an fünf Beispielen, die zunächst kurz einzeln - chronologisch aufsteigend sortiert - vorgestellt werden und anschließend nach ihren einzelnen Modulen gegliedert miteinander verglichen werden sollen. [12]

Zwar wurden noch viele weitere ähnliche Fälle ermittelt, diese konnten hier aber nicht berücksichtigt werden, da sie nicht typische "Orientbetrüger" darstellten. Sie können indes als Beipiele für die große Bandbreite an Variationen dienen, mit denen Betrüger sich im frühneuzeitlichen Deutschland präsentierten. Zu ihnen zählte ein Mann namens Serini (ein angeblicher Bruder des christlichen Türkenkämpfers Graf v.Serini) 1664 in England [13], der Muslim Padre Ottomanno (ein uneheliches Sklavenkind, welches im Osmanischen Reich ohne eigenes Zutun als Sultanssohn betrachtet wurde) 1650 in Malta, [14] ein sich "tatarischer Reichsgraf Allau von Naura" [15] nennender Herr in Sachsen vor 1734, ein "türkischer Prinz" namens Michael Angela Gratia, der sich 1768 in Kurbayern Almosen geben ließ [16] sowie ein durch Europa vagabundierender "Freiherr von Mortezini" 1784. [17]

Dieser behauptete, er sei ungarischer edelmännischer Herkunft und in Mähren seiner hussitischen Konfession halber verfolgt worden. An deutschen Höfen erschien er als ein durch Reisen gebildeter Ritter mehrerer Orden und Edelmann, der die Jagd und das Duell liebte. Er wußte sich außerdem echte oder gefälschte Rekommendationen (Empfehlungsschreiben) zu verschaffen, die er vagabundierend bei immer neuen meist hochgestellten Personen vorlegte. Ein Kritiker schrieb hierzu, er "wagte es, sich Gelehrten, Freimaurern, Offizieren, Geistlichen und selbst den höchsten Staatsmännern aufzudringen, und ward fast überall gütig empfangen, und übermäßig beschenkt." [18] Viele weitere solcher Fälle sind auch enthalten in der vielversprechend klingenden gedruckten Sammlung mehrerer Betrüger von de Rocoles aus dem Jahre 1761. [19] Dort werden aber nur Orientalen behandelt, die nicht wegen materieller Vorteile nach Europa gekommen waren.

Für die hier genannte Untersuchung sind daher "nur" fünf "echte" Orientbetrüger im Sinne der verwendeten Definition heranzuziehen, die überblicksartig in der folgenden Tabelle vorgestellt werden: 
 

Jahr des Auftretens:Auftrittsortvorgeblicher Namevorgebliche Identität
1669EnglandMahomed Bei türkischer Prinz
1698KurpfalzIsrael Oryarmenischer Hochadeliger
1700EnglandGeorg PsalmanazarFormosaner
1748DeutschlandCarl alli Bassa de Suillatürkischer Prinz
1797NürnbergMirza Hassan Collaweckpersischer Königssohn

 

Tabelle 1: Fünf Beispiele für frühneuzeitliche Fälle von "Orientbetrügern" 1669-1797 [20]

Dem Leser mag auffallen, daß der eingangs erwähnte "Resmi Ahmed Efendi", der im Jahre der Hedschra 1177 (1763 nach Christus) [21] eine Audienz bei König Friedrich II. von Preußen erlangt hatte, in der obigen Aufstellung fehlt. Dies hat seinen Grund. Er war kein Betrüger, sondern tatsächlich ein Abgesandter des türkischen Sultans, überbrachte in einem Gefolge von 80 Personen Brillanten, wertvolle Stoffe und Pferde als Geschenke und verfügte bereits über mehrjährige Reiseerfahrungen an europäische Fürstenhöfe. Sein Ziel war die Schaffung diplomatischer Beziehungen zwischen dem Osmanischen Reich und der mitteleuropäischen Großmacht Preußen nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges. [22]

Diesen Botschafter und andere echte oritenalische Gesandte, [23] deren überaus exotisches Erscheinen in Berlin bald bekannt wurde, täuschend echt zu imitieren war das Ziel von "orientalischen" Betrügern. Diesen war gemeinsam, daß sie sich unter Vorgabe einer falschen Identität und falscher Behauptungen von ihren fremden Mitmenschen Vorzüge erschlichen. Sie taten dies in der Regel mit einer komplexen und in kurzer Zeit schwer nachprüfbaren "orientalischen" Geschichte, die ihre Behauptungen scheinbar unterstrich.

Dabei sind verschiedene Dimensionen des Betrugs festzustellen, die vom einfachen Almosensammeln und Erschleichen materieller Leistungen wie beispielsweise der Gastfreiheit bis hin zur Erlangung eines imaginären Königsthrones reichten. Alle diese Aspekte werden durch die fünf genannten Fälle, die zunächst in ihren Eckdaten näher vorgestellt werden sollen, abgedeckt.

Der um 1669 in Frankreich und England auftauchende Mahomed Bei behauptete, ein hochgestellter vom Islam zum Christentum konvertierter türkischer Prinz zu sein, der sich erst kürzlich habe taufen lassen. Er gehöre außerdem dem edlen türkischen Geschlecht der Familie Cigala an. Er reiste in Europa umher und hatte angeblich von hohen geistlichen und weltlichen Würdenträgern wertvolle Geschenke erhalten, war bei diesen oft zu Gast gewesen. In Paris gab er sogar seine "Memoiren" heraus, die als Grundlage und Rechtfertigung für seine Erzählungen über sein bisheriges Vorleben dienten. [24]

Im Jahre 1689 dann trat mit Israel Ory der wohl raffinierteste Schauspieler auf die Bühne "orientalischer" Betrüger. Er machte sich die politische Lage des pfälzischen Kurfürsten zunutze und versuchte ihn in politische Abenteuer zu verwickeln. Er behauptete, ein armenischer Hochadeliger zu sein, der den Auftrag habe, dem Kurfürsten von der Pfalz die armenische Königskrone anzubieten, weil sich die dortigen Christen von den Türken und Muslimen bedrängt sähen. Da der Kurfürst durch politische Händel mit Frankreich finanziell und militärisch aber zu gebunden war, versuchte Ory in abgewandelter Form sein Glück erfolgreicher beim russischen Zaren, der ihn um 1708 zum Gesandten in Persien ernannte. Durch verschiedene Umstände gelang es aber auch dem Zaren nicht diese Königskrone zu erlangen. Zuletzt versuchte Ory selbst König von Armenien zu werden, was jedoch ebenfalls scheiterte.

Um das Jahr 1700 hingegen trat mit Georg Psalmanazar in England ein eher bescheidener Betrüger auf, der behauptete, er sei ein gelehrter heidnischer Ureinwohner der Insel Formosa aus dem Pazifik.

Zwischen 1748 und 1759 reiste ferner ein sich unter anderem Carl alli Bassa Fatime de Suilla nennender Mann in Niedersachsen und Franken als vorgeblicher verfolgter türkischer Prinz oder wahlweise als verfolgter Lutheraner umher, der, teilweise Olivenprinzen [25] imitierend, hohe Almosenentgelte sammelte.

Schließlich trat 1797 in Nürnberg mit Mirsa Hassan Collaweck, vorgeblicher Sohn des Beherrschers von ganz Persien, ein angeblich persischer Obrist auf, der es verstand, bei den Bürgern Schulden zu machen und sich mehrere Monate von einem Gastwirt freihalten zu lassen.

IV.1. Idenditätswahl und Intentionen

Wie an der Kurzschilderung der fünf Fälle bereits deutlich wurde, bedienten sich "Orientbetrüger" einer vorgeblich orientalischen Idendität. Sie kann als eine von drei nötigen Merkmalen betrachtet werden, die für einen "orientalischen" Betrüger vonnöten waren: a) persönliche Idendität, b) territoriale Herkunft und c) persönliche Geschichte im Kontext mit einer bestimmten Zielgruppe. Alle drei Faktoren waren die Voraussetzung für die Erreichung von Zielen, die bestimmte Absichten und Intentionen zur Grundlage hatten.

Beim ersten Punkt war von Bedeutung, daß ein möglichst "märchenhaftes" Auftreten abseits der europäischen Norm verwirklicht wurde. Daher wählten Orientbetrüger einen möglichst phantastischen Namen, der sich aber doch an wirkliche Vorbilder anlehnte, um glaubwürdig zu bleiben. Allein der Name mußte die Ausgewogenheit zwischen tatsächlich möglicher Existenz und phantastischer Entrücktheit unter Beweis stellen; er mußte durch die Faszination "des Fremden" wirken, aber andererseits auch im geistigen Vorstellungsbereich der zu Betrügenden liegen.

Mahomed Bei sowie Mirza Hassan Collaweck, der sich auch Nadir Mirza Shah nannte, knüpften dabei bewußt an das türkische Würdenamt eines Beis und den persischen Herrschertitel eines Schahs an, benutzten türkische oder den Vornamen des muslimischen Propheten. Israel Ory und Georg Psalmanazar hingegen versuchten sich mit einer Synthese aus morgenländisch klingendem Nachnamen mit christlichem Vornamen, während Carl alli Bassa Fatime de Suilla unter verschiedenen Namen auftrat und je nach Ansprechpartner seine Idendität wechselte, prinzipiell aber ebenfalls der Maxime der Mischung abend- (Carl, auch Carl Alexander) wie morgenländischer (Fatime, Suilla) Namensformen huldigte. Zusätzlich benutzte er die damals gebräuchliche Form der Amtsbezeichnung eines hohen orientalischen Beamten und Offiziers ("Bassa" als veraltete Bezeichnung von "Pascha"), um seinem Namen mehr Glanz zu verleihen.

Als zweiter Punkt war die territoriale Herkunft zu bedenken. "Orientbetrüger" konnten grundsätzlich nur dort erfolgreich sein, wo ihr Gegenüber wenig über die Verhältnisse eines fremden Landes wußte oder nicht in der Lage war, diese möglichst schnell zu recherchieren. Lange Informationswege und die schlechte Nachprüfbarkeit von Angaben aus einem anderen Kontinent begünstigten dabei den Erfolg der Betrüger. Als Herkunftsorte wurden deswegen bevorzugt orientalische Orte oder Länder, die sowohl in Eurasien als auch in Asien lagen, gewählt: die Türkei, Armenien, Formosa (Taiwan) und Persien (Iran/Irak). Diese Territorien waren zwar für bestimmte Europäer vom Hörensagen bekannt, aber doch nicht umfassend dokumentiert und namentlich für die einfachere Bevölkerung nicht nachprüfbar.

Zur Namensidendität und territorialen Herkunft mußte zusätzlich als dritter Punkt eine passende Geschichte erfunden werden. Ein Betrugserfolg war nur aufgrund einer besonderen Legitimationsthese möglich, die den Betrüger in eine direkte Verbindung mit dem zu Betrügenden bringen mußte. Dabei stellte der Betrüger dem Opfer einen scheinbar persönlichen und angeblich wahren Sachverhalt dar, der diesen veranlaßte, dem Betrüger Hilfe in verschiedenen Formen angedeihen zu lassen. An einem Betrug waren daher immer der Betrüger und der Betrogene bzw. die Betrogenen als Personen beteiligt und eine Legitimationsthese, die die Verbindung zwischen beiden ermöglichte.

Diese Thesen mußten durch die persönliche Geschichte vorbereitet und eingerahmt werden. Mahomed Bei gab an, er sei ein "Printz von dem Keyserlichen Geblüth Ottomannischen Hauses", ferner wäre er "Bassa und Ober-Gevollmächtigter zu Jerusalem und des Königreichs Cypern, Trabizond u.s.w." [26] Er war, so ein Kritiker 1669 "von einem Ort zum andern in der Christenheit herumb gelauffen und zwar in solchen Ländern / da er gantz unbekant war / mit dieser scheinbaren Historie / .. . / daß er nemlich ein so naher Anverwandter des jetzt regierenden Türckischen Keysers sey / und was für hohe Ehren-Aempter und grosse dienste er umb Christi willen verlassen. [27] Denn als Muslim von der Pforte zum Obergouverneur von Cypern berufen, sei er zum Christentum konvertiert und habe viele Sklaven freigelassen. Als dies bekannt geworden wäre, sei er ins Ausland als Märtyrer geflüchtet und Schäfer geworden, dann durch den Warschauer Bischof im Dom daselbst auf den Namen "Johannes Michael" getauft worden. Danach wäre er in einem der Türkenkriege gegen seine ehemaligen Landsleute als Kaiserlicher Generalwachtmeister angetreten. Fortan wäre er durch Deutschland und Italien gereist, immer beschenkt und empfangen von den höchsten Würdenträgern und hätte sich endlich nach Westen gewandt, um "Franckreich auch mit seiner Gegenwart zu besehligen". [28]

Anders verhielt es sich mit der Geschichte des Israel Ory aus Düsseldorf. 1698 tauchte der Armenier erstmals am kurfürstlich pfälzischen Hof zur Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges auf und behauptete, er sei ein armenischer Adeliger, der wegen seines Christentums verfolgt, nach Düsseldorf geflohen sei, wo er sich jetzt seit etlichen Jahren als Weinhändler verdinge.

Einmal vor den Kurfürsten gelangt, schilderte er diesem "die Not und die Leiden seiner armenischen Landsleute, die, weil sie am Christentum festhielten, von den mohammedanischen Zwingherren, den Persern, in unerhörter Weise bedrängt und mißhandelt würden, und versicherte, es würde ein Leichtes sein, die Armenier um den Preis ihrer Befreiung vom Joch der Ungläubigen zur Rückkehr in den Schooß der römisch-katholischen Kirche zu bewegen. Sobald ein christlicher Fürst mit einer anständigen Heeresmacht auf armenischem Boden erschiene, würde ihm sofort das armenische Volk zufallen und die Krone von Armenien zu Füßen legen". [29]

Georg Psalmanazar hingegen erklärte um 1700, er käme von Formosa, sei von falschen Versprechungen durch Europäer angelockt auf dem Schiffsweg nach Marseille gekommen, wo man sich ihm selbst überlassen habe. Dann sei er durch Frankreich, Griechenland und Ägypten gereist und landete schließlich um 1700 in London.30 
Carl alli Bassa Fatime de Suillas Geschichte ist mangels geeigneter Quellen leider nicht ausführlich zu schildern, doch gab er sich an verschiedenen Stellen in Niedersachsen nach 1748 als ein vertriebener orientalischer Prinz aus, der aus der Türkei geflüchtet, sich in Wien habe christlich taufen lassen. [31]

Mirza Hassan Collaweck hingegen gab sich als Sohn des persischen Königs Sharok Schah und hoher militärscher Führer persischer Truppen aus. Bei einer Schlacht zwischen seinem Heimatland und Rußland sei er 1796 ein bevorzugt behandelter prominenter Kriegsgefangener der Russen geworden. Anschließend habe er von seinem Vater die Erlaubnis erhalten durch Europa zu reisen, anstatt in seine Heimat zurückzukehren. Reich beschenkt von russischen Fürsten sei er dann nach Stockholm gegangen und wäre dort "mit den herzlichsten und zuvorkommendsten Politessen" von der schwedischen Königsfamilie überhäuft worden. Anschließend reiste er über Carlscrona nach Kopenhagen zum dänischen König, nach Hamburg, Berlin, Paris, Leipzig, Dresden und schließlich nach Frankfurt am Main, wo er überfallen und gänzlich an Pferden, Gefolge und reichem Geschmeide beraubt worden sei. Auf der angeblichen Reise nach Wien tauchte er endlich im Oktober 1796 krank und hilfebedürftig zusammen mit einem fremden Buchbindergesellen in Nürnberg auf." [32]

Allen gemeinsam war daher eine behauptete vornehme und mit materiellen Reichtümern und Ehren überhäufte Herkunft, von der man allerdings nun nichts mehr sehen könne, weil jeder der hier erwähnten Herren einem unglücklichen Schicksalsschlag (Vertriebung, Raub, Überfall) ausgesetzt gewesen sei, der mitleiderheischend wirken sollte.

Neben den hier genannten persönlichen Geschichten waren für den "Orientbetrüger" aber auch der nicht zu unterschätzende Faktor der Bildung ihrer jeweiligen Zielgruppe wichtig. Je unwissender und je naiver ein potentiell zu Betrügender war, desto einfacher hatte es der Betrüger. Je gebildeter aber das Opfer war, desto größere Anstrengungen mußte der Betrüger unternehmen, um den Schein bestimmter Absichten zu verbergen und seine "orientalische Maske", die sich nicht in Widersprüchen ergehen durfte, glaubwürdig vorzutragen.

Die Zielgruppen orientalischer Betrüger waren daher je nach den schauspielerischen Fertigkeiten und intellektuellen Fähigkeiten der Betrüger höchst unterschiedlich: Mahomed Beis Anprechpartner waren hochgestellte Persönlichkeiten wie Könige und Fürsten ebenso wie die von Israel Ory. Georg Psalmanazar hingegen wandte sich zuerst an einfache Leute auf dem Land, provozierte aber bald durch sein ungewöhnliches Auftreten eine "Entdeckung" durch ebenfalls hochgestellte Persönlichkeiten. Carl alli Bassa Fatime de Suilla hatte sich auf städtische Kassierer spezialisiert und Mirsa Hassan Collaweck wandte sich an Stadtbürger und Gastwirte. 
Die Auswahl der Zielgruppe wurde zudem von den persönlichen und sozialen Hintergründen der jeweiligen Betrüger bestimmt, gelegentlich kamen außerdem die politischen oder wirtschaftlichen Faktoren des Landes befördernd hinzu, in dem sich der Betrüger aufhielt.

Unter diesen Rahmenbedingungen versuchten die "Orientbetrüger" ihre Intentionen zu verwirklichen, die jedoch durchaus in unterschiedlichen Bereichen angesiedelt waren. Mahomed Beis Bestreben war es, sich durch Wechsel und bare Darlehen einen Lebensunterhalt bei seinen jeweiligen Gastgebern zu erschleichen. Israel Orys Absicht hingegen war es, seiner persönlichen Eitelkeit genüge zu tun und sich mit hohen Ämtern ausgezeichnet zu sehen; er wünschte sich Posten als Gesandter, General, König. Außerdem wollte er als Kaufmann wirtschaftsträchtige Geschäfte abschließen, versuchte aber die Reisekosten auf andere abzuwälzen.

Georg Psalmanazars Ziele blieben hingegen weitgehend im Dunkeln, da er offensichtlich nie jemanden um Geld gebeten hatte. Eventuell waren hier auch Gründe der persönlichen Eitelkeit maßgebend für sein extravagantes Auftreten in England. Carl alli Bassa Fatime de Suillas Begehren richtete sich deutlich auf die Erlangung von Geldern, die er nicht zurückzahlen mußte, indem er über ein Jahrzehnt lang einen verarmten Edelmann schauspielerte. Diese Art der Erlangung des Lebensunterhalts kostete zwar viel Mühe und brachte jeweils nur relativ kleine bare Summen ein, aber sie hatte den Vorteil, daß er nicht straffällig und verfolgt wurde, sondern seine Gelder "legal" erworben hatte. Mirza Hassan Collaweck schließlich richtete sein Augenmerk eindeutig auf mehrmonatige Zechprellerei im Nürnberger Wirtshaus Engelbauer.

Neben diesen genannten drei immateriellen Faktoren des persönlichen Auftretens war aber für die Glaubwürdigkeit eines "Orientbetrügers" auch ganz maßgeblich der äußere Eindruck entscheidend, der in der Regel als visuelles Erkennungsmerkmal erhebliche Bedeutung besaß.

IV.2. Habitus

Zum materiellen Erscheinungsbild zählten Kleidung und Accessoires, zu den immateriellen Bedingungen hingegen Gestik, Verhalten, Sprache und Schrift. Da letztere bei entsprechenden schauspielerischen Fähigkeiten leichter zu beschaffen waren als materielle Merkmale, konnte es vorkommen, daß "Orientbetrüger" fehlende materielle Mittel durch immaterielle Faktoren ersetzten (siehe oben). So verwendeten einige Betrüger die Behauptung, sie hätten einmal unermeßlich reiche orientalische Schätze an Kleidern, Edelmetallen und Pferden besessen, als Surrogat, um ihre nur mangelhaft oder gar nicht vorhandenen Mobilien zu erklären.

Bei Mahomed Bei wird bemerkt, daß er "in seiner Ottomannischen Kleidung und Orientalischen Mode" an den englischen Hof kam, um glaubwürdiger zu erscheinen. [33]

Israel Orys Habitus hingegen war relativ unwichtig. Er war zunächst Kaufmann in Düsseldorf [34] und legte mehr Wert auf seine immateriellen Komponenten zum Betrug. Sein Kapital war die politische Verwirrung auf dem Balkan, die Angst der Europäer vor einem Ansteigen der türkischen und islamischen "Gefahr", die religiöse Solidarität mit verfolgten Christen im Grenzgebiet zu den Muslimen und sein geschicktes diplomatisches Taktieren, mit dem er es jahrelang vermocht hatte, Könige und Fürsten mit seinen Ideen so zu beschäftigen, daß er stets persönlichen materiellen Vorteil daraus ziehen konnte.

Doch auch Ory kam nicht ohne immaterielle Surrogate aus: In einem Billet an den Kurfürsten entschuldigte er sich beispielsweise, daß die Geschenke für den pfälzischen Landesherrn noch nicht eingetroffen wären: "Freilich hatten mir Herr Saphrase (Melkon de Saffras, einer der zehn armenischen Fürsten) und andere Alles ohne Ausnahme, was an Kostbarkeiten, Pferden und anderen Schätzen in ihren Händen zu finden wäre, ein für allemal zur Verfügung gestellt, damit ich es als Zeichen ihrer Ergebenheit Eurer Kurfürstlichen Durchlaucht zu Füßen lege." Er habe jedoch selbst nichts mitnehmen können, da "die Erhebung der Türken ganz Anatolien in Unordnung brachte, so daß es dort von Räubern wimmelt". [35]

Eine größere Rolle spielte der Habitus hinwiederum bei Georg Psalmanazar: "Er war mit der Sprache und den Sitten dieses Landes [England] unbekannt, sprach wenig und sehr schlecht Französisch. Er war ziemlich klein von Statur, sein Auge war sehr redend, in seinem Ansehen herrschte eine gewisse Wildheit, und seine Kleidung bestand in einer Art von fliegendem Gewande, worin er auf eine solche Art gehüllet war, daß man seine Absicht, sich ein sonderliches Ansehen zu geben, deutlich sehen konnte. ... Er hatte die Gewohnheit, irgendwo auf dem Felde zu schlafen, in der Dämmerung aufzustehen, auf den öffentlichen Plätzen in der Stadt niederzufallen, und die Sonne in tiefster Ehrfurcht anzubeten. Sein Gebet verrichtete er mit lauter Stimme; allein die Sprache ... war eine buchstäblich unbekannte Sprache. Die Nahrungsmittel, die dieser Mann zu sich nahm, waren  ... von ausserordentlicher Art; denn er aß rohes Fleisch ohne Brod, und trank bloß Wasser." [36]

Auch bei Mirsa Hassan Collaweck spielten Kleidung und Habitus eine recht große Rolle. In seinen französischsprachigen "Memoiren" ließ er sich 1801 im Frontispiz abbilden. Sein Portrait bestand in einer Halbfigur in persisch aussehender Kleidung. Als Surrogate dienten ihm ferner "mit Gold gestickte persische Pantalons", die er bei dem Überfall vor Frankfurt am Main verloren haben wollte. [37]

Abgedruckt hatte er unterstützend außerdem angebliche Identitätsbeweise aus der Heraldik und Paläographie: "Unten ist sein Wappen, das zween Löwen halten. Es hat drey Sonnen und sechs Sterne; in der Mitte sind persische Schriftzüge. Zu unterst ließt (sic!) man: Nadir-Mirza-Shah." [38]

Ferner gab er an, er habe von seinem Vater, dem persischen König, allerlei Gerätschaften mit auf seine Reise bekommen. Neben Kreditbriefen seien dies sechs persische Offiziere gewesen, die folgendes mit sich geführt hätten: "Sechs Fuhrpferde. Zwey Sattelpferde zu meinem persönlichen Gebrauche. Einen Säbel, zwey Pistolen und einen Sattel; alles vom größten Werthe. Hundert und zwanzig Teller, zwo große Gießkannen, und vier Essigflaschen, von vergoldetem Silber, alles nach den Gebräuchen unserer persischen Länder. Zwo goldne Schalen. Zwo andere, 2 Kaffe- und 2 Theekannen; von Silber. Hundert und zwanzig vollständige Sortierungen von Löffeln, Messern und Gabeln. Eine große Platmenage von Silber. Vier und zwanzig tausend Ducaten baar und 84.000 Ducaten in einer Anweisung, die der russiche Fürst Potemkin meinem Vater Sharok-Shah, Beherrscher, und Könige von ganz Persien, der in der Provinz Mazandaran residierte, für Seide schuldig war." [39]

Mirsa Hassan Collaweck muß solchen persönlichen Eindruck auf seine Gläubiger gemacht haben, daß diese sogar bereit waren, einem weiteren in öffentlichen Zeitungen gedruckten Surrogat zu glauben. So kündigte er in einem Avertissement in der Felßeckerischen Zeitung vom 22.April 1797 an, daß er am 24.April seine persische Gefolgschaft erwarte und lud alle Gläubiger zu einer Kutschfahrt mit musikalischer Begleitung von Nürnberg nach Feucht ein, um dort gemeinsam die Karawane mit den Kamelen und Collawecks angeblich zahlreich vorhandener Dienerschaft und Schätze zu erwarten. Die Musik sollte dabei der Karawane vorausgehend bis Nürnberg Jubel blasen, kam jedoch, wie zu erwarten war, nicht zum Einsatz und mußte vielmehr von den Gläubigern zusätzlich bezahlt werden. [40]

IV.3. Vergünstigungen

Die Kombination der Absichten einerseits und dem äußerem Erscheinungsbild andererseits bewirkte schließlich den Erfolg des Betrugs, der mehr oder minder intensiv und lang anhielt. In jedem der fünf Fälle erreichten die Betrüger ihr Ziel zunächst kurzfristig, bevor sie an verschiedenen Umständen scheiterten.

Mahomed Bei bemühte sich um Vergünstigungen bei Fürsten und ließ sich bevorzugt "mit Carrossen und gehöriger Zurüstung" und "überaus grosser Ehre" und "praesentirung [von] kostbaresten Geschencken" als hochfürstlicher Gast einholen oder erwirkte aus Renommiersucht eine Audienz beim Heiligen Stuhl. [41]

Israel Ory hingegen setzte ähnliche Motive um, wollte General und König werden, was scheiterte, brachte es aber immerhin zu dem Titel eines Kaiserlich Russischen Colonels sowie Gesandten und konnte unter dem Deckmantel diplomatischer Missionen in den Orient lohnende Handelsgeschäfte abschließen. [42]

Georg Psalmanazar dagegen ließ sich von dem Londoner Bischof Gibson "große Höflichkeiten" erweisen und materiell aushalten, der zu seinem Gönner wurde. [43] Zudem verdiente er seinen Unterhalt ab 1704 mit dem Verkauf einer historischen und geographische Beschreibung von Formosa [44], die aus seiner Feder stammte.

Der Bedarfskonvertit Carl Alexander Alli Bassa Fatima de Suilla verlegte sich schließlich hauptsächlich auf die Erhaltung von Almosen, die aber im Unterschied zu den gewöhnlichen Almosensätzen um ein vielfaches höher waren, da er sich das Olivenprinzenprinzip zunutze machte und eine vornehme Abkunft vortäuschte. [45]

Mirsa Hassan Collaweck schließlich lebte etliche Monate auf Kosten des Gastwirts Engelbauer in Nürnberg und erlangte Kost und Logis in einem Wert unbekannter Höhe. Dennoch konnten die genannten Herren ihre Betrügerei nicht endlos fortsetzen, sondern wurden früher oder später entlarvt.

IV.4. Betrugsaufdeckung

Welche Methoden und Mittel zur Betrugsaufdeckung beitrugen, wie die Aufdeckung verlief und wer sie durchführte, soll in diesem Abschnitt geschildert werden. Zunächst ist zu bemerken, daß bis auf Carl Alexander alli Bassa Fatime de Suilla alle hier untersuchten "Orientbetrüger" fast sämtlich durch Dritte enttarnt wurden, nur Georg Psalmanazar enttarnte sich selbst, da er seiner Rolle auf Dauer nicht gewachsen war.

Zunächst gab es allgemeine Warnungen vor Betrügern, die in der Frühen Neuzeit bereits eine Bedeutung erlangt hatten, die über die Schädigung von Privatinteressen hinausgegangen war. Das zeigt nicht nur das Hönnsche Betrugslexikon, das eingangs dieser Untersuchung erwähnt wurde, sondern auch das Bemühen der deutschen Landesfürsten, ihr Volk zu warnen und damit ihre Volkswirtschaft und die Kaufkraft der Untertanen vor allzugroßen Ausgaben ohne Gegenleistung zu bewahren.

Für Schleswig-Holstein beispielsweise beklagte sich beispielsweise Herzog Friedrich V. im Jahre 1754 darüber, daß "seithero in unseren Herzogthümern die Unterthanen von starcken und unverschämten Land-Streichern und Müßiggängern, liederlichen Handwercks Purschen, Bettel Juden, Italiänern, angeblichen Sclaven aus der Türckey, Exulanten, Brand-Brief-Trägern und überhaupt fremden Bettlern zum Theil mit Weibern und Kindern, offte überlauffen und mit betteln sehr belästiget werden". [46]

Er führte daher die "harte Karrenstrafe" für Armen-Betrüger ein, die offensichtlich einen großen volkswirtschaftlichen Schaden anrichteten. Auch im Hochstift Würzburg war ähnliches bekanntgemacht worden und Bischof Franz Ludwig zu Bamberg hatte 1780 Husaren gegen "Zigeuner, Pilgrame, Eremiten, Hochstappler" und andere Personengruppen eingesetzt. [47]

Vorbeugend gab es außerdem generelle Vorsichtsmaßnahmen gegen potentielle Betrüger. Schon Hönn empfahl prophylaktische Maßnahmen gegen "Beutelschneider" und "Spitzbuben": "Daß die Obrigkeit auf solcherley Leute ein scharffes und wachsames Auge habe. 2) Denen Gastgebern fremde verdächtige Personen / ohne es vorher der Obrigkeit jedes Ortes anzuzeigen / zu beherbergen nicht verstatten. 3) Unter den Thoren der Städte die ankommende Passagiers, zumahl etwas verdächtige / scharff examiniren und ausfragen lasse. 4) Auf die Entdeckung dergleichen diebischen Gesindels ein nahmhafftes Stück Geld setze." [48]

Diese Hinweise sollten "solche Betrieger entdecken / welche so offt unter der Larve und Gestalt nothleidender Printzen / Kauffleute und dergleichen sich angeben / in der That aber nichts anders als Spionen und unverschämte Betrieger seyn". [49]

Doch mit allgemeiner Vorsicht seitens der Behörden und auch den detaillierten Empfehlungen Hönns war Betrügern wie den Vorgenannten nicht immer beizukommen. Sie sind daher nur durch ganz individuelle Gründe enttarnt worden. In jedem Fall aber war die Entdeckung der Betrugsabsicht eine intellektuelle und kritische Prüfung der vorgeblichen Tatsachen durch außenstehende Persönlichkeiten, die in ihrem Wissensstand genauer als die Betrüger selbst über deren "Spezialgebiet" informiert gewesen sind. In drei Fällen hat allein dieser Verdacht, erhärtet durch weitere Indizien und Beweise, zur Enttarnung geführt, in einem Fall blieb der Betrüger von seinen Zeitgenossen unentdeckt, in einem Fall schließlich hatte sich der Betrüger selbst aufgedeckt.

Mahomed Bei und Mirsa Hassan Collaweck begingen den Fehler, daß sie ihre erfundene Biographie drucken ließen. [50] Ihr Zweck war es, dadurch allen ihre vorgebliche Identität zu beweisen, die stets durch eine Reihe von Lobeshymnen auf die eigene Person und durch Mißverständnisse verbunden mit zahlreichen Ortswechseln gekennzeichnet war. Doch die Verbreitung durch den Druck hatte zugleich die von den Betrügern unterschätzte Folge, daß die gemachten Angaben nicht nur viel weiter verbreitet wurden, sondern auch viel besser und ausführlicher ohne Zeitdruck von Dritten geprüft werden konnten.

Gerade durch die ausführliche Nennung ihrer vermeintlichen Herkunft und ihrer detaillierten Biographie boten die Betrüger zahlreiche willkommene Ansatzpunkte für die Betrugsaufdeckung. Hierzu vermerkte wiederum Mahomed Beis Kritiker 1669 zunächst: "Nur so weit gehet die gedruckte Relation unsers herumbstreichenden / ich hätte bald gesagt / verlauffenen Ritters / mit dem Lateinischen und Frantzösischen Lob-Gedichten / welche dem Leser gleichsam vorbereiten / dessen seltzamen und abentheuerlichen Lebens-Lauff desto leichter Glauben zu geben". 
Über die Enttarner und ihre Motivation kann leider wenig ausgesagt werden. Sie waren es stets, die die jeweilige Angelegenheit publik machten. Bei Mahomed Bei handelte es sich um einen zeitgenössischen Unbekannten, der 1669 den Briten John Evelyn aus dem Englischen übersetzt hatte. Israel Orys Geschichte fand erst in dem Münchener Historiker Heigel 1897 seinen Enttarner, Georg Psalmanazar hatte sich um 1700 selbst enttarnt, Carl alli Bassa Fatime wurde erst 1988 durch die Historikerin Titz-Matuszak als Betrüger bekannt und Mirsa Hassan Collaweck wurde bereits zu seinen Lebzeiten 1797 von dem Nürnberger Intellektuellen v.Murr enttarnt worden sowie 1801 von einem Anonymus, der die Geschichte drucken ließ.

Einige Kritiker beschränkten sich zudem in ihren Schilderungen für die Mit- und Nachwelt nicht nur auf sachliche Schilderungen und Erwiderungen, sondern legten durchaus auch gehässige Angriffe auf die Betrüger vor. Es kann daher nicht ganz ausgeschlossen werden, daß es sich bei einigen Enttarnern um persönliche Gegenspieler gehandelt haben könnte. So schrieb der Mirsa Hassan Collaweck enttarnende Anonymus beispielsweise: "Wenn wir aber nun alle diese zusammengeraspelte und ungereimte Sachen auff die Probe setzen / und die Künheit [sic!) nehmen / unsern feinen Auffschneider seiner frembden und geborgten Federn zu berauben / wird unser Ottomannischer Printz der so lange und so glücklich unter dem Feder-wild herumb geflogen ist / endlich zur betrieglichen Dhole (sic!) werden." [51]

Unter dieser Prämisse wurde auch der Bericht über Mahomed Bei verfaßt, während die übrigen Schilderungen zu Israel Ory, Georg Psalmanazar, Carl alli Bassa Fatime sachlicher Natur blieben. Indes kommt es für die hier angenommene Fragestellung nicht so sehr auf die Motivation der Enttarner an, da sich die meisten Informationen über Mahomed Bei und Mirsa Hassan Collaweck vielzitiert in deren eigenen Schriften und in anderen Spuren finden lassen. Damit kommen nicht nur die Enttarner zu Wort, sondern auch die Betrüger selbst.

Auf welchem Wege nun wurden die fünf Männer enttarnt? Zunächst recherchierte der Kritiker die Biographie und entdeckte in ihr etliche Widersprüche, die er detailliert in einer schriftlichen Ausarbeitung als Streitschrift darlegte. 
Im Falle Mahmed Beis hieß das: "Es sind unzehliche (sic!) Dinge / durch und durch in seiner Legende / die gantz verdächtig fallen / darunter einige offenbarlich falsch / andere aber gantz ungereimt / und einander schnur stracks zuwider lauffen". Besonders auffallend war Mahomed Beis Verhalten in Bezug auf seine orientalische Herkunft, denn er besäße nur, so der Kritiker, eine "grosse Unwissenheit von der türckischen Sprache / [52] so er doch für seine Muttersprache außgiebet / und doch gantz unvollkommen her lallet / zu dem daß er gantz unerfahren an dem Ottomannischen Hoffe und in andern Orientalischen Sachen ist ..." [53]

Neben diesen allgemeinen Verdächtigungen wurde der Kritiker aber auch konkret und äußerte neben zahlreichen Indizien ("Ob die Türcken einige christliche Medicos gebrauchen?" [54]) auch Beweise (ausführliche Schilderung der Familienverhältnisse des Geschlechts Cigala, in das der Betrüger nicht eingeordnet werden konnte [55]) für die Anfechtbarkeit der Legitimationsthesen von Mahomed Bei.

Im Falle Israel Orys ist seine Eigenschaft als "orientalischer" Betrüger erst sehr viel später offenbar geworden. Da er es geschickt verstand, seine Sache zu der von Fürsten zu machen und ihr einen politischen Hintergrund zu geben, blieb er lange Zeit unentdeckt. [56] Offen bleiben muß die Echtheit seiner sonstigen Behauptungen, da die Originale der Vorgänge nicht mehr vorhanden sind, sondern nur noch Abschriften, die von Ory selbst angefertigt worden sind und keinerlei Beglaubigung von Dritten enthalten. [57] Ory selbst ist daher erst nach seinem Tode enttarnt worden von einem Gelehrten, der mit viel Zeit alle erreichbaren Dokumente heranzog und sich daraus ein Urteil bildete.

Im Falle von Carl Alexander alli Bassa Fatima de Suilla erwies sich ein nicht stringent durchgehaltenes Identitätskonzept als Enttarnungsmerkmal. In der Hoffnung, er werde höhere Almosensummen als gewöhnliche Bettler erhalten, gab sich der Vagant in katholischen Herrschaften als soeben konvertierter Katholik aus, in protestantischen Ländern aber als ebenso überzeugter Anhänger der evangelischen Kirche, gelegentlich auch als Israelit. [58] Ermittelt werden konnte dieser chamäleonistische Umstand auch erst rund zwei Jahrhunderte nach seinem Auftreten durch einen Vergleich der Identitätsangaben, die er bei den verschiedensten Almosenkassen der Städte und Dörfer angab und die sich nicht deckten.

V. Schlussbetrachtung

Durch zwei besondere Merkmale hatten "orientalische" Betrüger Erfolg: Durch die Darstellung des europäischen Orientbildes einerseits und durch eine um diese Eigenschaft herum erfundene Geschichte. So war Mahomed Bei 1669 mit seinen Lügen "durch die Welt gewandert / allenthalben wol auffgenommen und würcklich von unterschiedlichen grossen Herren wol und reichlich beschencket worden." [59]

Bemerkenswert hierbei ist, daß die Erscheinung von Orientbetrügern einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung entsprach. Das subjektiv von den Europäern gestaltete Orientbild wurde von den Vaganten bewußt eingesetzt, die zugehörigen Vorstellungen von unermeßlichem Reichtum und mystisch-phantastischer Grundhaltung des geheimnisumwitterten Morgenlandes bewußt geschürt, bewußt bedient. So wurden Orientbetrüger zum Schauspieler einer Rolle, die das meist breit gestreute Publikum Europas wünschte; insofern können Orientbetrüger als frühneuzeitliche betrügerische Wirtschaftsunternehmer, als Kleinkriminelle betrachtet werden.

Diese nutzten die menschliche Eigenschaft, in Not geratenen Mitmenschen Hilfe anzubieten, schamlos zu ihrem eigenen Vorteil unter Betrugsabsicht aus. Dies hatte vielfach Erfolg, denn schon 1784 bekannte ein Verfasser aus der Berlinischen Monatschrift resignierend ob dieser Methoden: "Wer wird irgend einem Manne Vorwürfe darüber machen, daß er einen Fremden nicht richterlich examinirt, und lieber gütig als mißtrauisch ist?" [60]

Die hier besprochene Gruppe von Männern zeichnete sich durch eine bestimmte kleinkriminelle Form des sich orientalisch gebenden Betrügers und Scharlatans aus, der in besonderer Beziehung zum europäischen Orientbild stand und dieses für seine Zwecke mißbrauchte.

Allein durch die geschickte Repräsentation von Wunschbildern erzeugte der "orientalische" Betrüger bei seinem frühneuzeitlichen europäischem Gegenüber Faszination und Neugier. Er tat dies stets ohne Rückzahlungs- oder Vergeltungsabsicht, aber seine Tätigkeit reichte vom Almosenempfänger über den Zechpreller bis hin zum Kreditbetrüger.

Der "orientalische" Betrüger war die Begleiterscheinung eines Weltbildes, die sich im 18.Jahrhundert herausbildete und nach wie vor aktuell ist. Kulturgeschichtlich eingebettet war der "Orientbetrüger" in die Entwicklung des europäischen Orientbildes vom Mittelalter bis zum 19.Jahrhundert. [61]

Im Mittelalter war durch die Mauren in Spanien die Verbindung und gegenseitige Befruchtung zwischen Okzident und Orient noch groß und hat beispielsweise in der deutschen Sprache bis heute Spuren hinterlassen: Tasse, Magazin, Sirup, Melone, Sofa, Matraze, Diwan, Algebra, Alkohol oder Zenit sind nur einige Worte, die aus dem Arabischen stammen. Nach der Vertreibung der Mauren aus Spanien ging aber das Bewußtsein für Gemeinsamkeiten verloren und eine eigenständige selbstbewußte europäische Bewegung begann sich zu bilden, Nationalstaaten und -idenditäten erwuchsen und schufen so die Möglichkeit, sich in anderen Kulturen zu spiegeln und sich von ihnen abzugrenzen. Morgenland und Abendland begannen mehr denn je Gegensätze zu werden und diametrale Empfindungen auszulösen.

Seit der Renaissance zogen dann zunehmend Wißbergierige in den Orient und brachten Reiseberichte mit nach Europa. Der Rosengarten - ein literarisches Brevier orientalischer Lebenskunst - wurde erstmals im 17.Jahrhundert in Europa publiziert und formte das europäische Orientbild der Neuzeit (dieses Brevier benutzte unter anderem der Nürnberger Examinator v.Murr im Januar 1797, um Mirza Hassan Collaweck zu überführen, der den Rosengarten nicht kannte). [62]

Die Zeit der Aufklärung schließlich - das 18.Jahrhundert - war zwar im Grunde kühl und rational und verdrängte Emotionales und Märchenhaftes. Doch gerade von dieser großen Polarisierung der Geistesentwicklung lebte die Faszination des Orients, lebte Hugo v.Hoffmansthals Lobgesang auf den imaginativen Orient, lebte die Übersetzung "Aus 1001 Nacht", die im Original im Orient selbst nur als volkstümlich betrachtet, in Europa aber erstmals in der Blütezeit der europäischen Aufklärung übersetzt und publiziert, begeisterte Rezipienten fand.

Seit dem Ancien Regime war der Orient daher nicht mehr nur eine pragmatische und geographische Größe, sondern er entwickelte sich zum Begriff konstruierter und faszinierender Andersartigkeit, da die Aufklärung die Gleichheit aller Menschen propagierte und ihre Aufmerksamkeit auf das Weltbürgertum richtete.

Ein typischer Vertreter dieser Geisteshaltung war der Philosoph Johann Gottfried Herder. Er forderte in seinen "Ideen zu einer Philosophie der Geschichte der Menschheit" dazu auf, den Fremden als Bruder zu sehen und kennenzulernen. Das europäische Orientbild entwickelte sich daher im 17. und 18.Jahrhundert zu einer Kontrastprojektion und gewann eine ganz eigene Dynamik, die schon Friedrich Nietzsche in seinem Werk über Wahrheit und Lüge charakterisiert hat, wenn er sagt, daß Wahrheiten Illusionen wären, von denen man vergessen hat, daß sie welche sind.

Dennoch symbolisierte der Orient nicht nur Duft, Klang und Zauber einer fremden Welt, sondern zugleich entwickelte sich eine negative Sichtweise, die den Orient als das Reich launischer Despoten darstellte. Die ethnozentrische Ablehnung war durch die Türkenkriege im Mittelalter aufgekommen. Mozarts "Entführung aus dem Serail" spiegelt beide Sichtweisen wieder. Die ganze Handlung lebt von der Orientfaszination, die aber auch getrübt wird durch die Schlußszene, die auf das Bild der Grausamkeit der Türken anspielt.

Diese Entwicklung setze sich schließlich im 19.Jahrhundert fort. Der Orient wurde als barbarisch angesehen, als unterentwickelt, als zurückgeblieben hinter dem Fortschritt Europas und dem ehemaligen hohen Stand der orientalischen Hochkulturen. Europäische Fortschrittsgewißheit schlug in Überheblichkeit um. 
War der Orient im 18.Jahrhundert noch analog wertgeschätzt, so verursachte die im 19.Jahrhundert voranschreitende koloniale Expansion und die Ausübung politischer, militärischer und intellektueller Macht ein negatives Orientbild.

Damit war die Hochzeit "orientalischer" Betrüger beendet. Nur die Zeit der Aufklärung und des Ancien Regime, in der noch die Faszination von "1001 Nacht", des Rosengartens und Herders herrschte, war die Blütezeit der hier untersuchten Gruppe.

Aber nicht nur mit dem Orientbild hängt das Phänomen "orientalischer Betrüger" zusammen, sondern auch mit der politischen und sittengeschichtlichen Kultur des 18.Jahrhunderts in Deutschland. Absolutistische Fürsten benötigten dringend und immer wieder neu Gelder für ihren aufwendigen auf Repräsentation aufgebauten Hofstaat. Sie zogen Glücksritter, Abenteurer (und damit auch Betrüger) an ihre Höfe, um sich von ihnen Möglichkeiten zeigen zu lassen, wie sie ihre stetige Geldnot stillen und ihr Ansehen vergrößern konnten. Mancher Alchemist wie der sich in einen türkischen Muff kleidende in Pommern auftretendene Magno Cavallo [63] verursachte auch auf dem Lande erhebliches Aufsehen und machthungrige Glücksritter wie Israel Ory wurden sogar "Politiker" und gelangten in hohe staatliche Stellungen. Die vergnügungssüchtige und intrigante Atmosphäre mancher Fürstenhöfe, auf denen die Langeweile Einzug gehalten hatte, verursacht durch die leeren Formen der absolutistischen Repräsentation, bildete den idealen Nährboden für alles, was aus dem Alltag herausfiel. [64]

Besonders Fremde und Ausländer, noch dazu, wenn sie etwas besonderes zu sein schienen oder über besondere Fähigkeiten verfügten, wurden an den Höfen nicht sehr genau untersucht und konnten wie Casanova, Cagliostro oder der angebliche "Graf von Saint-Germain", eine ansehnliche Gemeinde von Jüngern um sich scharen, wenn sie auch, oft verschuldet, jeweils nur kurze Zeit an einem Ort blieben, da sie nicht selten auf der Flucht vor ihren Gläubigern waren. [65]

Auch die hier vorgestellten "kleinen" Betrüger integrierten sich in diese Gruppe von Abenteurern und Glücksrittern und partizipierten an der gesellschaftlichen Atmosphäre des 18.Jahrhunderts, sei es an den Höfen oder auf dem Lande und in den Städten. Sie waren damit zugleich ein Produkt aus und ein Ergebnis von allgemeinen Geisteshaltungen des 18.Jahrhunderts, die sie sich mit mehr oder minder großem Erfolg als mittelmäßige bis gute Schauspieler für ihre Zwecke geschickt zunutze machen konnten.

In Abgrenzung zu den maronitischen aus dem Libanon stammenden Olivenprinzen aber setzten Orientbetrüger nicht etwa auf die religiöse Solidarität, sondern ganz allein auf das Orientbild Europas. Vielmehr betonten sie sogar sehr die Unterschiedlichkeit der religiösen Bekenntnisses, um auf diese Weise noch mehr Aufmerksamkeit zu erfahren. Ferner gaben sie nicht an, aus dem Libanon zu stammen und auch mit einem Almosen gaben sie sich (außer dem "Berufsprinzen" Carl alli Bassa Fatime de Suilla) nicht zufrieden. Zuletzt unterschieden sie sich von den Olivenprinzen auch in ihrer verminderten Mobilität. Während sich katholische Libanesen ständig auf der Reise befanden, verblieben "Orientbetrüger" je nach Ausbeutungsmöglichkeit ihrer Mitmenschen an einem Ort bis zu mehreren Monaten.

Und während der Olivenprinz nach einer gewissen Zeit der Rundreise durch Europa in sein wirkliches Heimatland zurückkehrte, reiste der "Orientbetrüger" vermutlich immer weiter, kehrte jedenfalls nicht in das von ihm ohnehin nur erfundene Vaterland zurück, in dem er keine sozialen Wurzeln besaß.

"Orientbetrüger" konnten schließlich im Gegensatz zu den Maroniten berufsmäßige Betrüger sein, legten mehr einmal mehr Wert auf die Wirkung von Fremdheit und Exotik, ein anderes Mal erschien ihnen der Appell an eine Solidarisierung der Christenheit mit einem angeblich religiös Verfolgten ratsamer. Wie die Olivenprinzen nutzten sie aber auch beide Faktoren zur Erreichung ihrer eigenen Vorteile aus. Bezeichnend dürfte es jedoch sein, daß die wenigsten der hier untersuchten "Orientbetrüger" sich wechselnder Motive bedienten (nur Carl alli Bassa Fatime de Suilla).

Die Möglichkeiten der Erschleichung von Leistungen war dabei breit gefächert, bauten jedoch immer darauf auf, durch bestimmte Angaben den gewünschten Effekt menschlicher Gebefreudigkeit zu erreichen. Damit einher ging eine mehr oder weniger aufwendige Geschichte, mit der die Betrüger ihr Gegenüber konfrontierten. Diese Erzählungen konnten nur eine angebliche Identität vorspiegeln oder auch, was meist ein größeren Nutzen, aber auch einen erhöhten Aufwand für den Betrüger versprach, komplizierterer Natur sein.

"Orientbetrüger" waren zudem in aller Regel Abenteurer nach dem zeitgenössischen Begriff ihrer Epoche. Diese charakterisierten sich durch einen nicht planmäßigen Verlauf ihrer Unternehmungen, durch räumliche und tätigkeitsbezogene Mobilität. Adelung umschreibt eine solche Person 1811 als einen Menschen, "der auf Abenteuer, der [auf] thörichte Glücksfälle ausgeht, keine bestimmte und vernünftige Lebensart hat". [66]

Somit war der Mangel an Kontinuität, eine rege Phantasie über "den Orient" und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ursächlich für ein erfolgreiches Wirken von "orientalischen" Betrügern verantwortlich.

VI. Anmerkungen und Quellennachweisungen:

  • [1] = Abgedruckt in der Nobilitas - Zeitschrift für deutsche Adelsforschung, Jahrgang V, Folge 24, Sonderburg 2002, Seiten 1184-1210
  • [2] = Ein Beispiel, wie man als Forscher zu einem neuen Thema kommen kann
  • [3] = Wahrscheinlich deshalb sind Orientbetrüger bislang auch noch nicht von der Forschung als eigenständige Phänomene beachtet worden
  • [4] = J.D.E. Preuss: Friedrich der Große. Eine Lebensgeschichte, Band II., Berlin 1833, Seite 433-434 (Beilage)
  • [5] = Non Nominatus Biester: Noch etwas über den Pseudo-Freiherrn von Mortezini und ein Wort von einigen andern Betrügern, in: Berlinische Monatsschrift, Ausgabe Nr.1, Berlin 1785, S.470
  • [6] = Werbeflugblatt "Mittelalterlich Spectaculum" der Firma Hiller, Drensteinfurt ohne Datum (2002), ausgelegt im Mai 2002 im Spar-Markt Haas zu Owschlag
  • [7] = Zedler, Band III., Leipzig 1733, Spalte 1559. Die Betrugsdefinition im kulturgeschichtlichen Sinne ist im Laufe der Zeit relativ gleich geblieben. Im frühen 19.Jahrhundert schreibt das Brockhaus Bilder-Konversationslexikon, Band I., Leipzig 1837 hierzu: "Betrug ist jede absichtliche Täuschung eines andern aus gewinnsüchtigen oder rechtswidrigen Absichten ..." und das dtv-Lexikon, Band II.,  Mannheim 1992, S.238, definiert für die Jetztzeit: "das Hintergehen eines andern, hinterhältiger Vertrauenbruch". Die juristische Betrugsdefinition bleibt hier jeweils außen vor
  • [8] = Religionswechsler, Konvertiten
  • [9] = Hönn, Georg Paul: Betrugs-Lexicon, worinnen die meisten Betrügereyen in allen Ständen nebst darwider guten Theils dienenden Mittel endtdecket, 3.Edition, Coburg 1724 (Nachdruck Leipzig 1981), S.54-55
  • [10] = Hönn, Georg Paul: Betrugs-Lexicon, a.a.O., S.57
  • [11] = Hönn, Georg Paul: Betrugs-Lexicon, a.a.O., S.308-310
  • [12] = Diese Vorgehensweise bietet sich wegen der Vergleichsmöglichkeit an
  • [13] = Evelyn, John: Historia De tribus huius seculi famosis Impostoribus, Das ist: Beschreibung der dreyen unlängst beruffenen Betriegere/ Nemlich des Padre Ottomanno, Mahomed Bei oder Johann Michael Cigala, und Sabatai Sevi. Deren der Erste für einen Sohn ... des verstorbenen Groß-Türcken außgeben ward. Der Ander wil seyn ein Printz aus dem Ottomannischen Hause / ist aber in Warheit ein Wallache. Der Dritte ist der falsche Meßias der Juden ... Nebenst einer kurtzen Erzehlung / der gründlichen Ursachen und Veranlassung des jetzigen Krieges zwischen den Türcken und Venetianern / wobey angefüget / warumb die Jüden aus dem Persianischen Reiche gäntzlich außgerottet worden. Aus dem Englischen ins Teutsche übersetzet, o.O., 1669, S.0 ("An den Leser" [Vorwort])
  • [14] = Evelyn, John: Historia De tribus ..., a.a.O., S.1-17 ("Die Historia von Padro Ottomanno dem ersten Betrieger")
  • [15] = Non Nominatus Biester: Noch etwas über den Pseudo-Freiherrn von Mortezini und ein Wort von einigen andern Betrügern, in: Berlinische Monatsschrift, Ausgabe Nr.1, Berlin 1785, S.471
  • [16] = Bayerisches Hauptstaatsarchiv zu München: Bestand Kurbayern Hofzahlamt, Akte Nr.181: Hofzahlamtsrechnung pro 1768, pag.81ff, hier speziell pag.84 Rückseite, Eintrag No.461. Er wird, obwohl auch er vermutlich ein "Orientbetrüger" war, hier nicht weiter behandelt, da über ihn nicht mehr als der kleine Eintrag aus der Hofzahlamtsrechnung ermittelbar war, also vergleichende Aussagen über Idendität, Habitus et cetera nicht in ausreichendem Maße gewährleistet sind.
  • [17] = Non Nominatus: Die Begebenheiten des Freiherrn von Mortezini. Eine wahre Geschichte (von ihm selbst herausgegeben), 2.Auflage, Königsberg 1783
  • [18] = Non Nominatus Biester: Der Pseudo-Freiherr von Mortezini, in: Berlinische Monatsschrift, Ausgabe Nr.2, Berlin 1784, S.543
  • [19] = Rocoles, J.B.de: Geschichte merkwürdiger Betrüger. Mit einer Vorrede, Erläuterungen, Zusätzen und Münzen begleitet von J. Fr. Joachim (aus dem Französischen übertragen von C.W. Agricola), 1761
  • [20] = Angaben nach den bei den einzelnen Fällen weiter unten aufgeführten Quellen
  • [21] = Zeitpunkt der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina (nach christlicher Zeitrechnung war dies im Jahre 622) und Grundlage der moslemischen Zeitrechnung
  • [22] = J.D.E. Preuss: Friedrich der Große. Eine Lebensgeschichte, Band II., Berlin 1833, Seite 433-434 (Beilage)
  • [23] = Ein "Asmi Said" war ab 1791 türkischer Ambassadeur in Berlin und 1798 starb ebendort als osmanischer Gesandter ein "Ali Aziz Efendi" (J.D.E. Preuss: Friedrich der Große. Eine Lebensgeschichte, Band II., Berlin 1833, Seite 434, Fußnote Nr.4
  • [24] = Evelyn, John: Historia De tribus ..., a.a.O., S.18-35
  • [25] = Angehörige der maronitischen katholischen Oberschichten aus dem Libanon, die zwischen 1730 und 1800 in Deutschland Almosen sammelten, um anschließend wieder in ihre Heimat zurückzukehren
  • [26] = Evelyn, John: Historia De tribus ..., a.a.O., S.18
  • [27] = Evelyn, John: Historia De tribus ..., a.a.O., S.29
  • [28] = Evelyn, John: Historia De tribus ..., o.O., S.26
  • [29] = Heigel: Ein armenischer Abenteurer ..., a.a.O., S.39
  • [30] = Non Nominatus: Anekdoten von einem Betrüger, welcher zu Anfange dieses Jahrhunderts in England erschien, in: Historisch-politisches Magazin, Band I., Berlin 1787, S.52-56, hier spez. S.52
  • [31] = Titz-Matuszak, Ingeborg: Mobilität der Armut - Das Almosenwesen im 17. und 18.Jahrhundert im südniedersächsischen Raum, in: Plesse-Archiv, Band 24, Bovenden 1988, S.317-321 (Abschriften aus verschiedenen niedersächsischen Kämmereiregistern der Jahre 1732-1790)
  • [32] = Non Nominatus: Geschichte eines seltsamen Betrüger[s], der sich 1797 in Nürnberg Mirza Hassan Collaweck, persischer Obrist von Schach und 1800 in Paris Nadir-Mirza-Schah nannte, o.O. 1801, S.19
  • [33] = Evelyn, John: Historia De tribus ..., o.O., S.30
  • [34] = Düsseldorf war bis 1716 die Residenz des später zu Bayern gehörigen Herzogtums von Pfalz-Neuburg (Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder, 5.auflage, München 1995, S.463-464)
  • [35] = Heigel: Ein armenischer Abenteurer ..., a.a.O., S.45
  • [36] = Non Nominatus: Anekdoten von einem Betrüger, welcher zu Anfange dieses Jahrhunderts in England erschien, in: Historisch-politisches Magazin, Band I., Berlin 1787, S.52-56, hier spez. S.52-53
  • [37] = Non Nominatus: Geschichte eines sonderbaren Betrügers, a.a.O., S.18
  • [38] = Non Nominatus: Geschichte eines sonderbaren Betrügers, a.a.O., S.3
  • [39] = Non Nominatus: Geschichte eines sonderbaren Betrüger[s], der sich 1797 in Nürnberg Mirza Hassan Collaweck, persischer Obrist von Schach und 1800 in Paris Nadir-Mirza-Schah nannte, o.O. 1801, S.14
  • [40] = Non Nominatus: Geschichte eines sonderbaren Betrügers, a.a.O., S.5-6
  • [41] = Evelyn, John: Historia De tribus huius seculi famosis Impostoribus, Seiten 23-26
  • [42] = Heigel: Ein armenischer Abenteurer ..., a.a.O., Seiten 44, 48 und 53-55
  • [43] = Non Nominatus: Anekdoten von einem Betrüger, a.a.O., Seite 54
  • [44] = Im Original: Historical and geographical description of Formosa, London 1704
  • [45] = Titz-Matuszak, Ingeborg: Mobilität der Armut - Das Almosenwesen im 17. und 18.Jahrhundert im südniedersächsischen Raum, in: Plesse-Archiv, Band 24, Bovenden 1988, S.317-321 (Abschriften aus verschiedenen niedersächsischen Kämmereiregistern der Jahre 1732-1790)
  • [46] = Schleswig-Holsteinisches Landesarchiv (Schleswig): Abteilung 65.2 Akte Nr.1055-I.: Undatierte Verordnung König Friedrich V. von Dänemark (um 1754) betreffend die Bekämpfung des Bettelunwesens in den Herzogtümern Schleswig und Holstein
  • [47] = Bayerisches Staatsarchiv (Würzburg): Instruction für die Auf das Land verlegten Hussaren, Hochstift-Würzburgisches Mandat vom 27.Juni 1780, abgedruckt in den Amtsbüchern Dettelbach, Akte Nr.13, ohne Band- und Seitenzählung
  • [48] = Georg Paul Hönn: Betrugs-Lexicon, Coburg 1724, S.60
  • [49] = Evelyn, John: Historia De tribus ..., o.O., 1669, S.0 ("An den Leser" [Vorwort])
  • [50] = Die Historie von Mahomed Bei, oder Johannes Michael von Cigala, Printz von dem Keyerlichen Geblüth des Ottomannischen Hauses, Frankreich vor 1669 sowie La Vie et les Avantures politiques de Nadir-Mirza-Shah, Prince de Perse, actuellement à Paris, gouverneur de la province de Guilan, commandant en chef de l`arméedu Mazandaran et général de la cavalerie de la maison du roi son frère ainé; trosième fils de Charok-Shah, qui est fils de Rosalhi-Mirza-Shah, qui étoit fils de Nadir-Shah, connu des Européens sous le nom de Thamas-Kouli-Khan. Recueillies et publiées pour la Defense de ce Prince, par Denys Montfort, Aide-géologue au Muséum national d`histoire naturelle de Paris. Paris l`an 9me. [1801 nach Christus], 104 Seiten
  • [51] = Evelyn, John: Historia De tribus ..., o.O., 1669, S.27. Evelyn benutzt hier offensichtlich das Sinnbild der Dohle oder Krähe als Symbol der Falschheit und der Dieberei wegen deren angeborenem Hang für das Aufpicken und Sammeln glänzender Gegenstände.
  • [52] = An dieser Stelle ist im Original eine offene runde Klammer anstatt eines Schrägstriches eingefügt. Da im Original jedoch die geschlossene Klammer dahinter fehlt, wurde hier die runde Klammer ersetzt durch einen sinngemäß eher angebrachten Schrägstrich
  • [53] = Evelyn, John: Historia De tribus ..., o.O., 1669, S.32-33
  • [54] = Evelyn, John: Historia De tribus ..., o.O., S.34
  • [55] = Evelyn, John: Historia De tribus ..., o.O., S.30-32
  • [56] = Heigel: Ein armenischer Abenteurer ..., a.a.O., S.54-55
  • [57] = Sie liegen heute in der Akte des Bayerischen Hauptstaatsarchivs in München, Bestand Kasten blau Nr.45/6: Die Mission des Israel Ory, kaiserlich russischen Hauptmanns, in der armenischen Frage und dessen Verhandlungen mit Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz zum Zweck des Abschlusses eines Vertrages mit Armenien, 1698-1705
  • [58] = Schubert, Ernst: Arme Leute. Bettler und Gauner im Franken des 18.Jahrhunderts (Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte, Band IX., zugleich Darstellungen aus der fränkischen Geschichte, Band XXVI.), Neustadt an der Aisch 1983, S.233
  • [59] = Evelyn, John: Historia De tribus ..., o.O., S.29
  • [60] = Non Nominatus Biester: Der Pseudo-Freiherr von Mortezini, in: Berlinische Monatsschrift, Ausgabe Nr.2, Berlin 1784, S.544
  • [61] = Das Folgende nach Anregungen aus: "Der Orient im Spiegel des Abendlandes. Zwischen exotischer Verklärung und ethnozentrischer Ablehnung", Sendung von Astrid Nettling im Deutschlandfunk in der Sendereihe "Studiozeit. Aus Kultur- und Sozialwissenschaften", Sendezeit: 4.April 2002, 20.10 Uhr bis 21.00 Uhr
  • [62] = Non Nominatus: Geschichte eines sonderbaren Betrügers, a.a.O., S.4
  • [63] = Zu ihm siehe die CIBA-Firmenzeitschrift, Nr.37, September 1936. Abschrift o.S. im Internet unter http://www.amuseum.de/medizin/CibaZeitung/sep36.htm, Version vom 27.1.2002. Magno Cavallo trat um 1790 in Pommern, Braunschweig und Celle als Heilkundiger und Spielbankunternehmer auf.
  • [64] = Friedrich v.Oppeln-Bronikowski: Abenteuerer am preußischen Hofe 1700-1800 (behandelt ), Leipzig 1927, S.V-VII
  • [65] = Heinrich Pleticha: Abenteurer und Glücksritter an deutschen Fürstenhöfen, in: ders. (Hg.). Deutsche Geschichte, Band VIII, Güterlsoh 1983, S.277-285
  • [66] = Adelung, Johann Christoph: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, Band I., Wien 1811, Spalte 27

© Verfasser dieses Aufsatzes: Claus Heinrich Bill

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